Gemeinde und Kirche

Stationen evangelischer Geschichte in Düren 

- Eine Erinnerung -

„Die reformierte Gemeinde und die evangelische (früher lutherische) Gemeinde in Düren vereinigen sich in Kraft der gegenwärtigen Urkunde zu einer Gemeinde, welche den Namen "Evangelische Gemeinde zu Düren" führt.“
Mit der Veröffentlichung dieser Vereinigungsurkunde im Kirchlichen Amtsblatt des Königlichen Consistoriums der Rhein-Provinz 1887 beginnt die Existenz der Evangelischen Gemeinde zu Düren in ihrer im wesentlichen heute noch gültigen Gestalt.

Kennzeichen dieser Gemeinde ist bis heute, dass ihre Leitung gewählten Mitgliedern (Presbyterium) obliegt und grundsätzlich in Gemeinschaft geschieht.

Evangelisches Leben in Düren vor 1887:


Im 16. Jahrhundert erfolgt im Jülicher Land – anders als in anderen Teilen Deutschlands – keine "Reformation von oben’ durch die Landesherrn. Die wenigen Menschen, die sich reformatorischem Gedankengut anschließen, diese vereinzelten Evangelischen stehen somit nicht unter dem Schutz der Herzöge von Jülich.

1571 lebt in Düren der erste (durch Quellen nachgewiesene) reformierte Prediger Gerhard Larenius aus Flandern. 1574 folgt Cornelius Walrave, ebenfalls aus Flandern.
Aus Frankreich und aus den benachbarten (spanisch regierten) Niederlanden suchen Zuwanderer und Migranten, die zuhause wegen ihres Glaubens verfolgt werden, Zuflucht im Dürener Raum. Durch diese Glaubensgeschwister gelangen presbyteriale und synodale Vorstellungen von Gemeindegründung und Gemeindeleitung in das katholische Rheinland. Die ersten Reformierten übernehmen von den Flüchtlingen das Prinzip presbyterialer Leitung und Selbstverwaltung: Die Gemeinde soll möglichst unabhängig von weltlichen und staatlichen Gewalten geleitet werden. Sie soll ihr geistliches Leben frei vondogmatischer Einengung gestalten.

In den folgenden Jahrzehnten gehören immer wieder angesehene und einflussreiche Persönlichkeiten der Stadt zu den Reformierten, z. B. der Stadtschreiber Wilhelm Deutgen, der Bürgermeister Dietherich von der Hutten oder der Fürstliche Leibmedicus Johann von Heimbach.

1587 vermacht die Witwe des Zinngießers Bernhard Lautenbach, Mechthild, geb. Portz , der reformierten Gemeinde ein Stück Land an der Rur (im Bereich der heutigen Paradiesstraße) zur Anlage eines eigenen Friedhofes. Den Reformierten ist es verboten worden, ihre Toten auf dem allgemeinen Friedhof zu bestatten.

1610 stellt die Stadt der reformierten Gemeinde die nicht fertig gebaute Fleischhalle am Viehmarkt zur Verfügung. Die Gemeinde richtet das obere Stockwerk als Predigtraum ein.
Im gleichen Jahr findet zu Weihnachten eine erste evangelisch-lutherische Predigt statt. Dieser Gottesdienst wird wahrscheinlich gehalten für die Soldaten und das Personal der vier brandenburgischen und neuburgischen Kompanien, die Düren als Garnisonsstadt seit 1609 beherbergt.

1614 gewinnt Wilhelm von Pfalz-Neuburg den Jülicher Erbfolgekrieg. Zuvor Lutheraner tritt er zum Katholizismus über und verbietet den Dürenern unter Strafe jedes protestantische Gemeindeleben. Zu ihren Gottesdiensten weicht die Gemeinde daraufhin auf benachbarte Adelshöfe aus (Schloss Merode, Schloss Birkesdorf, Haus Verken, Haus Pallandt).

Gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges halten sich protestantische Truppen aus Hessen in Düren auf. Ihre Anwesenheit erlaubt der reformierten Gemeinde nach den Schrecken des Krieges das Gemeindeleben wieder innerhalb der Stadtgrenzen auf zu bauen.
1649 kann die Gemeinde rechtsverbindlich die Fleischhalle auf dem Kalbskopf, genannt ‚de Klomp’ erwerben. Sie dient als reformierte Kirche bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts.
Als die Hessen 1650 wieder nach Hause ziehen, erhält die reformierte Gemeinde von drei Offizieren einen wertvollen Abendmahlskelch als Geschenk. (Dieser Kelch steht heute bei Gottesdiensten auf dem Abendmahlstisch der Christuskirche)
1668 vereinbaren die Reformierten und die Lutherische Gemeinde den Friedhof an der Rur (Paradiesstraße) gemeinsam zu nutzen.

Der Cöllner Religionsvergleich von 1672 erlaubt der reformierten und der lutherischen Gemeinde ihr Gemeindeleben unbehelligt von staatlicher Gewalt zu gestalten.
1709 erwirbt die reformierte Gemeinde ein Pfarrhaus.
1779 weiht die evangelisch-lutherische Gemeinde ihre Kirche am Steinweg ein. Das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben der Stadt wird mit intensiver Beteiligung reformierter Gemeindeglieder entwickelt (Schulwesen, Armenversorgung, Ansiedlung neuer Gewerbe wie Tuch und Papiererzeugung).

Nach dem Wiener Kongress 1814/15 ist das Jülicher Land und damit auch die Stadt Düren Bestandteil der preußischen Rheinprovinz.

Ein Kennzeichen des sog. bürgerlichen Zeitalters ist das Engagement wohlhabender Privatleute für kirchliche und dem Gemeinwohl der Stadt dienende Aufgaben. Umfangreiche Bauvorhaben können durchgeführt werden, zahlreiche Stiftungen zu sozialen Zwecken entstehen:
1825 Rudolph Schenkel schenkt der reformierten Gemeinde ein Stück Land vor dem "Cölner Thore’, damit ein neuer Friedhof eröffnet werden kann (heute: Friedhof an der Kölnstraße).
1841-1844 Bau einer neuen reformierten Kirche (ab 1922 Auferstehungskirche genannt). Die alte reformierte Kirche "de Klomp’ wird abgerissen; die Gemeinde zählt etwa 500 Mitglieder.
1844 Gründung der Kleinkinder-Verwahranstalt (Vorläufer des Kindergartens Philippstraße) durch den Evangelischen Frauenverein
1852 Stiftung der Schenkel-Schoeller’schen Versorgungsanstalt, heute Schenkel-Schoeller-Stift
1895 Bau des Gemeindehauses Moltkestraße, errichtet aus Mitteln einer Stiftung

Ein Zeitsprung:


Bei der Zerstörung Dürens am 16. November 1944 verliert die Evangelische Gemeinde außer vielen Gemeindemitgliedern ihre beiden Kirchen sowie fast alle Gebäude und damit sämtliche Einrichtungen der Gemeinde.

Erstes Gemeindeleben entsteht wieder in einem provisorischen Gottesdienstraum im ehemaligen Kindergarten Philippstraße 50, alten Gemeindemitgliedern noch bekannt als "Kreuzkirche’.

Vordringliche Aufgabe in den ersten Nachkriegsjahren ist die Eingliederung der zugewanderten Vertriebenen und Flüchtlinge aus dem Osten. Die Evangelische Gemeinde ist von ca. 4.800 Seelen am Ende des Krieges auf etwa 12.000 im Jahr 1947 angewachsen. Überall im ländlichen Gemeindegebiet, wo eine größere Anzahl von evangelischen Vertriebenen und Flüchtlingen leben, werden zunächst provisorische Predigtstellen eingerichtet.

1951 wird die Lutherkirche in Buir eingeweiht, 1953/54 folgt der Bau der Christuskirche an der Schenkelstraße in Düren

Viel später erst, beginnend in den 60-gern und bis in die 90-ziger Jahre, folgen die Gemeindehäuser in Birkesdorf, in Buir, in Düren und Merzenich und schließlich in Kreuzau und Nörvenich. Die Gemeinde hat im Jahr 2000 etwa 24.000 Mitglieder, die in neun Pfarrbezirken pfarramtlich begleitet werden. Hinzu kommen ca. 120 hauptamtliche Mitarbeiter/Innen, die in den verschiedensten sozialdiakonischen Mitarbeiter/Innen, die in den verschiedensten sozialdiakonischen Dienstbereichen für die Menschen in Stadt und Kreis Düren arbeiten.

In gewohnter Eigenständigkeit erarbeitet das Presbyterium 1969 eine grundsätzliche Erklärung (Dürener Theologische Erklärung) und empfiehlt sie der Gemeinde als verantwortbare Aussage neben den traditionellen Bekenntnissen.

Es ist dies ein Bekenntnis zur Annahme von jedermann ungeachtet der Konfession und Weltanschauung, zur fortgesetzten Reform gemeinschaftlichen Lebens, zum Gottesdienst des Alltags und zur Solidarität mit ausgegrenzten oder stigmatisierten Menschen.

Ob die vielfältigen Aktivitäten, die ungezählten Arbeits- und Gesprächskreise, die Einrichtungen und Beratungsstellen, die sonntäglichen Gottesdienste, die fortgesetzte Sorge um Leib und Seele vieler Mitbürger/Innen in Stadt und Kreis Düren, ob alles Wirken und Mühen dem Auftrag einer evangelischen Gemeinde entspricht, mag eine künftige Geschichtsschreibung beurteilen.

Ute Hoffmann
Juni 2002

Quellen:
Karl Ventzke, Evangelische Gemeinden in Düren vom 16. Jahrhundert bis 1944; Düren 1986
Festschrift zur Einweihung der Evangelischen Kirche in Düren, 1954
Chronik, Evangelischer Frauenverein e. V. Düren, 1841-1981
Festschrift 50 Jahre Christuskirche Düren , Frühjahr 2004


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