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Dietrich Bonhoeffer für die Gegenwart aktualisiert: Zwei beeindruckende Theater-Aufführungen in der Dürener Christuskirche

Wer die Christuskirche betrat konnte es nicht übersehen: Hier erwartete die zahlreich erschienenen Zuschauer eine besondere Performance und kein Gottesdienst, so viele Lautsprecher, Scheinwerfer, Keyboards und Laser-Geräte standen vor der Orgel und um den Abendmahlstisch im Zentrum der Dürener Christuskirche. Oder wurde die Theater-Aufführung "Bonhoeffer - Der mit dem Lied" doch zu einem Gottesdienst? Konzentration, Besinnung, stilles Gebet, Klage von Missständen, Bekenntnis der Schuld der Kirche im Dritten Reich - all das fehlte nicht. Auch die von Bonhoeffer so geliebte Musik war da, wenn auch verfremdet oder neu vertont.

Wer ist Dietrich Bonhoeffer? Der mit dem Lied „Von guten Mächten treu und still umgeben ...“, das Lied fällt vielen als erstes ein, wenn es um Dietrich Bonhoeffer geht. Was wissen wir sonst von ihm? Viele Besucher sagten hinterher: „Das habe ich gar nicht gewusst“ und waren zutiefst beeindruckt. Eigentlich sollten die beiden Aufführungen im März wenige Tage vor Bonhoeffers Todestag am 9. April 1945 (hingerichtet im Konzentrationslager Flossenbürg) stattfinden. Wegen Corona mussten sie ausfallen. Nun konnten sie nachgeholt werden: Am Vormittag eine Schul-Aufführung für zwei Jahrgangsstufen der Angela-Schule und abends eine Aufführung, die auch Schüler des Stiftschen Gymnasiums besuchten. Die Doppelaufführung wurde möglich durch die Unterstützung der RKP-Stiftung.

Mit einfachen und doch eindrücklichen Mitteln zogen die beiden Schauspieler Lukas Ullrich und Till Florian Beyerbach das Publikum in ihren Bann. Sie beleuchteten Bonhoeffers Leben und Denken und ordneten es gekonnt in die Zeitgeschichte ein. In etwa 70 Minuten spannten sie den weiten Bogen von der Geburt bis zum Tod des Ausnahmedenkers. Sie erzählten, wie er sich schon früh entschied, Theologe zu werden. Sie berichteten von seinem Weg zum Doktor-Titel, den er mit nur 24 Jahren verliehen bekam. So jung durfte man früher gar nicht Pfarrer werden. Sie thematisierten seinen entschiedenen Aufstand gegen den jungen Hitler bis hin zu seiner Hinrichtung im Konzentrationslager.

Ihr dialogisches Spiel bleibt immer spannend, auch weil sie immer wieder gekonnt ihre Rollen – Dietrich Bonhoeffer und sein Freund Eberhard Bethge oder auch ein Erzähler – wechselten. Das war große Klasse und ließ einen nicht los. Die Dialoge wurden von einem Bühnenbild ergänzt, das aus einem Gerüst und mehreren Holzstangen bestand. Diese waren mal ein Eisernen Kreuz, mal Engelsflügel oder Dreieck und wurden schließlich zum Diamanten, der plötzlich mit dem Gerüst hochgezogen und erhängt wurde. Hinzu kam die besondere Lichtregie, die mit Lasern den Bühnenraum (in die Ewigkeit?) erweiterte. 

Was wir von Bonhoeffer lernen können, fragten die Schauspieler. „Seinem Glauben treu zu bleiben“, ist ihre Antwort. Ullrich und Beyerbach schlugen Brücken in die Gegenwart. Es gäbe viele Themen, die von Jugendlichen und Erwachsenen forderten, ihren Überzeugungen treu zu bleiben und für sie einzutreten. „Fridays for Future“ sei nur eines. Die Vorstellung lullte einen nicht in Behaglichkeit ein, sondern rüttelte auf. Am Ende der Vorstellung: schweigen, lange Stille, fast schon unheimlich, bis dann doch noch Applaus aufbrandet.

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So spricht der HERR Zebaoth: Wer euch antastet, der tastet seinen Augapfel an.
Sacharja 2,12